Bestimmt ist jedem Technikfreund schon einmal die Idee gekommen, einen eigenen, professionellen Server zu betreiben. Natürlich auch – ganz Profimäßig – mit Linux. Und unter den Desktop-Systemen bietet sich Ubuntu (welches auf Debian basiert) bekannterweise an. Also, wieso nicht direkt den Ubuntu-Server verwenden. Wie das geht, was möglich ist und wozu man einen eigenen Linux-Server brauchen kann, lesen Sie hier.

Dieses Tutorial funktioniert unter Ubuntu 12.04 LTS, 12.10, 13.04, 13.10, 14.04 LTS sowie Debian 6 und 7.

Wozu ein Server?

Als erste Maßnahme sollten Sie sich bewusst machen, wozu Sie einen eigenen Server brauchen.

  • Als Webserver? Würde nicht auch ein (kostenloses) Webspace-Angebot reichen?
  • Als Dateiserver? Wie wäre es mit einem NAS oder einem (kostenlosen) Datenspeicher in der Cloud?
  • Oder, oder, oder…

Wie Sie sehen, gibt es auch Alternativen, die man u.U. einem eigenen Server vorziehen sollte, aber darum geht es hier schließlich nicht.

Die folgende Vorgehensweise zur Inbetriebnahme des eigenen Servers bietet natürlich keine Gewähr für Aktualität und Sicherheit, falls Sie planen, Ihren Server im Internet öffentlich zugänglich zu machen.

Installation des Servers

Laden Sie sich ein aktuelles Server iso-Image von der offiziellen Ubuntu-Website herunter (ca. 680 MB), und brennen Sie es auf eine leere CD.
Starten Sie nun einen beliebigen (am besten stromsparenden) Computer von dieser CD. Folgen Sie dem Installations-Assistenten und lesen Sie genau, welche Schritte durchgeführt werden sollen!
Wichtig: Der festgelegte Rechnername ist der Name, unter dem der Server im Netzwerk – neben der IP-Adresse – erreichbar sein wird!

Erste Schritte

Nach einem Neustart können Sie sich mit dem festgelegten Benutzernamen und zugehörigem Passwort am Server anmelden. Daraufhin sollte diese Mitteilung erscheinen:
Ubuntu Server: Nach dem Login

Updates

Nun sollten Sie (am besten auch täglich oder wöchentlich) Ihren Server mit folgendem Befehl updaten:

sudo apt-get update && sudo apt-get dist-upgrade && sudo apt-get autoremove

Diese Befehle führen ein Update durch, und löschen auch unbenötigte Pakete/Programme wieder. Ein Neustart mittels

sudo reboot

ist danach immer eine gute Idee um den Vorgang abzuschließen.

SSH-Verbindung aufbauen

Jetzt sollten Sie einen Zugang zu Ihrem Server aus der Ferne (im Netzwerk) einrichten: Den SSH-Server. Geben Sie dazu

sudo apt-get install openssh-server

ein, und bestätigen Sie mit Ihre Eingabe mit Enter. Nach einer erneuten Passwort-Abfrage läuft der Installationsprozess durch. Dieser Vorgang ist erst dann abgeschlossen, wenn wieder Eingaben möglich sind.

Auf den Server zugreifen

Nun können Sie den Server irgendwo hinstellen, Maus (wenn vorhanden), Tastatur und Bildschirm abklemmen – nur noch ein Netzwerk- und ein Stromkabel sind nötig. Mit dem Gratis-Tool Putty können Sie nun einfach auf Ihren Server zugreifen: Tragen Sie nun einfach Ihre Daten ein und klicken Sie auf “Open”. Falls nun eine Warnung meldet, dass der Server unbekannt sei, bestätigen Sie dies mit “Yes”. Nun erfolgt erneut ein Login und Sie sind wieder auf Ihrem Server angemeldet.

Ubuntu Server: Login mit Putty
Hiermit ist die Grundeinrichtung abgeschlossen, nun folgt ein funktionstüchtiger Webserver!

Webserver installieren

Geben Sie folgendes ein und bestätigen Sie Ihre Eingabe mit der Enter-Taste: sudo apt-get install apache2 php5 libapache2-mod-php5 php5-mysql php5-cgi php5-gd php5-mcrypt mysql-server phpmyadmin

Während der Installation werden Sie nach einem Root-Passwort für die Datenbank gefragt. Merken Sie sich dieses gut! Alle weiteren Abfragen sollten Sie mit “Yes” bestätigen.
Nun noch kurz folgendes eingeben:

sudo ln -s /usr/share/phpmyadmin /var/www/phpmyadmin

und die Installation des Webservers ist abgeschlossen!

Rufen Sie nun die IP-Adresse Ihres Servers auf, sollten Sie eine Testseite mit der Überschrift “It Works!” zu Gesicht bekommen. Alle nötigen Komponenten wie PHP und phpMyAdmin (zu finden unter http://[server-ip]/phpmyadmin) sind nun ebenfalls eingerichtet, und Sie können beginnen, Ihre Website zu gestalten.

Aber wie sollen die nötigen HTML- und PHP-Dateien auf den Server gebracht werden? Hier hilft der Datei-Server Samba, auch wenn eine Verbindung mittels SFTP in diesem speziellen Falle vorzuziehen ist.

Datei-Server Samba installieren

Geben Sie

sudo apt-get install samba

ein, um den Server-Dienst zu installieren. Mit

sudo smbpasswd -a IhrBenutzername

machen Sie dem Dienst Ihr Konto auf dem Server bekannt (Natürlich muss “IhrBenutzername” durch Ihren gewählten Namen ersetzt werden).

Alle wichtigen Einstellungen liegen in einer einzigen Datei, die nun mit diesem Befehl bearbeitet werden sollte:

sudo rm /etc/samba/smb.conf && sudo nano /etc/samba/smb.conf

Durch diesen Befehl wird die alte Datei gelöscht, eine neue Angelegt und sofort geöffnet. Kopieren Sie nun folgenden Text in diese Datei hinein, um den Webserver für Ihr Benutzerkonto zugänglich zu machen:

[global]
workgroup = HOMEGROUP
server string = Meine Dateien
wins support = yes
os level = 33
local master = yes
;wins server = w.x.y.z
unix password sync = yes
passwd program = /usr/bin/passwd %u

[webserver]
comment = Der Webserver
path = /var/www
writeable = yes
valid users = IhrBenutzername
force directory mode = 660
force create mode = 660

[Daten]
comment = Meine Daten
path = /home/IhrBenutzername
writeable = yes
valid users = IhrBenutzername
force directory mode = 660
force create mode = 660

Auch hier ist wieder sehr wichtig, dass Sie “IhrBenutzername” durch Ihren Benutzernamen ersetzen!

Auf Dateien zugreifen

Jetzt sollten Sie

sudo reboot

eingeben, um den Server neuzustarten, und – sobald der Vorgang abgeschlossen ist (die Verbindung mit dem Server wird dabei abbrechen) – im Windows-Explorer auf Ihren Server folgendermaßen zugreifen zu können:
Ubuntu Server: Zugriff auf Dateien

Im Ordner mit Ihren Daten haben Sie volle Zugriffsrechte und können alle Daten löschen, verändern und auch erstellen. Im Ordner des Webservers können Sie Ihre persönlichen Daten editieren und hineinkopieren, aber vorhandene (oder durch den Server geänderte) Dateien müssen erst wieder Zugriffsrechte bekommen.